Die Stadt VOLTERRA
Volterra ist eine toskanische Kleinstadt in der Provinz Pisa und liegt 556 M. ü.N. auf einem Hügel, der das Era- vom Cecinatal trennt. Die Böden sind lehmig mit vielen sogenannten badlands und der beeindruckenden „balze“, einem wunderschönen Erosionsphänomen. Die Stadt Volterra ist etwas abgelegen, aber strategisch günstig gelegen, denn bis in alle Zentren dieser Region ist es etwa gleich weit; es bietet ein ganz besonderes Landschaftsbild und verschiedene, toskanische Traditionen haben hier in der Vergangenheit gleichzeitig Bestand gehabt. Wirtschaftlich von Bedeutung sind das von alters her bewahrte Kunsthandwerk der Alabasterbearbeitung, Goldschmiedearbeiten und der Tourismus. Auf dem Gebiet um die Stadt Volterra kommen hauptsächlich Getreide- und Viehfutterpflanzenanbau vor und es sind Maschinenbau- und chemische Industrie angesiedelt; in dem zu Volterra gehöhrenden Ort Saline di Volterra wird Salz abgebaut.
Geschichte
Bereits 800 v. Chr war Volterra von Bedeutung und das alte Volaterrae
(auf estruskisch Velathri) war mit die mächtigste und
blühendste Stadt im estruskischen Herrschaftsgebiet, der
Dodekapoli also dem Zwölfstädtestaat, und herrschte
über ein großes Gebiet, das auch Luni und vielleicht
sogar Populonia mit einbezog.
Verbündet mit Rom lieferte es im Krieg gegen Hannibal von 281
– 280 v. Chr. eine Schiffsflotte und Getreide an Scipione; im
Bürgerkrieg danach unterstützte es die Schifffahrt
und wurde dann trotz harten Widerstandes von Silla erobert und mit der
Ansiedlung von Kriegsveteranen bestraft.
Volterra wurde zuerst von den Longobarden und später von den
Franken beherrscht, und obwohl die volterraner Bischöfe ihren
Herrschern Privilegien abgerungen hatten, wurde es zur ghibellinischen
Stadtgemeinde. Es unterstützte Manfredis Stellvertreter und
lehnte sich gegen das benachbarte, mächtige und guelfische
Florenz auf.
1472 n. Chr. wurde es vom florentinischen, von Lorenzo il Magnifico
angeführten Heer erobert (Volterra wurde geplündert)
und blieb damit uneigenständig und Florenz unterworfen. 1530
n. Chr. stellte Volterra sich auf die Seite der Kaiserlichen und
belagerte und schloß die herrschenden Florentiner und den
sich tapfer verteidigenden Francesco Ferrucci auf der Burg ein.
Nach dem Untergang der Republik Florenz, fiel Volterra den Medici in
die Hände, erhielt aber Privilegien und Ausnahmegenehmigungen.
Danach teilte es den Wechselfall der Toskana.
Archäologie
Das Abruschten der "balze" hat einen Großteil, der aus dem
archaischen Zeitalter stammenden Nekropolis vernichtet. Die etruskische
Stadt wurde von einer zu Beginn des 5. Jhdt.s v. Chr. fertiggestellten
Stadtmauer geschützt, die im 4. Jhdt. erneuert wurde und mit
einer Länge von 7 km zu den größten
Festigungsanlagen Etruriens gehörte; heute stehen noch zwei
Stadttore, die sogenannte "Porta all’Arco" mit ihrem
mächtigen Gewölbe und den drei, am vorderen Bogen
angebrachten, menschlichen Köpfen (die aber aus dem 2. Jhdt.
v.Chr. stammen) und das Stadttor "Porta Diana" oder "Portone", das den
gleichen Grundriß, aber kein Gewölbe hat.
Besonders interessant sind die Bestattungsplastiken, die zahlreich in
Form von Alabaster- oder Tuffsteinurnen erhalten sind und vom
damaligen, hiesigen Handwerk gefertigt wurden. Einige besonders
wertvolle Stücke stellen den Verstorbenen dar. Diese
Abbildungen wurden in späteren Jahren zunehmend lebensechter
und auf der Vorderseite der Urnen wurden fantasie- und kunstvoll,
mythische Szenen eingemeißelt.
Von der römischen, außerhalb des antiken Ortskerns
angesiedelten Stadt sind im heutigen Ortsteil "Vallebuona" das Forum,
ein Tempel und die, auf bereits bestehende Fundamente gebaute Therme
und das, aus dem augustischen Zeitalter stammende Theater bekannt; in
der Akropolis befindet sich eine gut erhaltene, dreischiffige Zysterne,
das sogenannte Schwimmbad. Unzählige etruskische Ascheurnen
sind im volterraner Museum "Guarnacci" ausgestellt, in dem auch eine
prähistorische und eine römische Abteilung zu
besichtigen sind.
Kunst
Das heutige Aussehen verdankt die Stadt Volterra, die von einer nur ca.
3.200 Meter langen, teilweise auf der Südseite mit der
etruskischen Stadtmauer übereinstimmenden Stadtmauer
eingeschlossen wird, dem Mittelalter, aus dem die zahlreichen
Turmhäuser und wichtigsten öffentlichen
Gebäude stammen; so der Dom (der im 13. Jhdt. gebaut und im
16, Jhdt. umgebaut wurde und wichtige Kunstschätze wie die
hölzerne Kreuzabnahme aus dem 11.Jhdt. birgt) und auch die
achteckige, im Jahr 1284 von Giroldo aus Como gebaute Taufkappelle (das
Taufbecken stammt von A. Sansovino).
Den Stadtkern bildet eindeutig der wunderbare, eine mittelalterliche
Atmosphäre ausstrahlende Marktplatz "Piazza dei Priori" mit
dem beeindruckenden "Palazzo dei Priori ", dem ältesten
toskanischen Rathaus, das zwischen 1208 und 1254 gebaut wurde, mit dem,
im 13. Jhdt. errichteten Amtsgerichtsgebäude "Palazzo
Pretorio", mit dem Herrscherturm "Torre del Podestà", der
allgemein nur "Torre del Porcellino" (Schweinchenturm) genannt wird,
mit dem Bischofspalast, der vormals öffentliches Getreidelager
war und seit 1618 Bischofssitz ist, und mit dem "Palazzo Incontri", in
dem heute die Stadtsparkasse ihren Sitz hat.
Wichtige Denkmale sind die, dem Erzengel Michael geweihte und im
romanisch-pisanischen Stil gebaute Kirche "S. Michele Arcangelo", die
Kirchen "S.Francesco", "S. Lino" und "S. Girolamo", alle mit, der
florentinischen Schule zugeschriebenen Gemälden und
Skulpturen, die riesige Befestigungsanlage "fortezza", die heute eine
Strafanstalt ist, die Stadtpaläste (Biondi, Contugi, usw.) aus
dem 15. Jdht. und die Stadtpaläste (Minacci,Viti) aus dem 16.
Jdht.
nützliche links
der virtuelle Stadtführer vonVolterra: beschreibt die Stadt Volterra, die Umgebung und die typischen Erwerbstätigkeiten. Informationen über Museen und die wichtigsten, kulturellen Veranstaltungen.
der Palast Viti: beschreibt einen der schönsten Paläste in Volterra. Historische Informationen über das Gebäude, Fotos von den, mit Wand- und Deckenmalereien verzierten Räumen, Besichtigungszeiten.
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